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Eltern werden kompetente Erziehungspartner - Eltern im Umgang mit ihren Kindern stärken

Konzeption / Ausgangslage:

Das Projekt „Eltern werden kompetente Erziehungspartner – Eltern im Umgang mit ihren Kindern stärken“ richtet sich an Eltern, die durch Fortbildungen im herkömmlichen Sinne nicht erreicht werden, ihre Aufgaben bei der Erziehung und Bildung ihrer Kinder nicht im erforderlichen Umfange übernehmen können, deren Kinder jedoch in der Schule auffällig werden. Grundlage des Projekts ist der praktische Zugang zu den Eltern, durch die Arbeit mit ihren Kindern in einer Spielgruppe gemeinsam mit weiteren Eltern, die diese Probleme nicht oder nur eingeschränkt haben, entwickeln sie Freude am Spielen und Lernen mit Kindern, bekommen Kontakt zu anderen Eltern, erhalten Einblick in deren erzieherische Verhaltensweisen und erfahren von anderen Eltern, wie sie das schulische Lernen ihrer Kinder unterstützen. Durch diese Vorbildfunktion verbessern sie unbemerkt ihr eigenes Verhalten, lernen zu Problemen zu stehen, sie auszusprechen und anzugehen.


Entwicklung der Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Die Eltern und besonders die Kinder kommen sehr gerne in die Gruppe. Ein Großteil der teilnehmenden Familien muss jedoch jede Woche extra eingeladen werden. Dies geschieht in Form eines Briefes, eines Anrufes, die Einladung des Kindes und teilweise durch Abholen in der Wohnung. Nur zum vereinbarten Termin können viele Eltern nicht kommen, da sie nicht gewohnt sind, Termine zu planen und einzuhalten.


1.       Gruppen Beginn Schuljahr 2004 / 2005

Zu den Gruppen 1 gehören 9 Eltern einer Stuttgarter Grundschule und 10 Eltern der benachbarten Förderschule. Diese bringen teilweise mehrere Kinder mit, so dass die Gruppen eine Teilnehmerzahl von jeweils ca. 15 Kindern haben. Die Eltern würden gerne weitere Kinder mitbringen, mehr als 15 Kinder je Gruppe werden jedoch an einem Nachmittag nicht zugelassen, da die Arbeit mit den Eltern ansonsten kaum mehr möglich ist.

Die Gruppen werden parallel durchgeführt, so dass ein Austausch erfolgen kann und unterschiedliche Themen für die sehr heterogene Teilnehmergruppe angeboten werden können.

 

 

2.       Gruppen Beginn Schuljahr 2005 / 2006

Die Gruppen 2 begannen im September 2005 und befanden sich bis zum Ende des Jahres 2005 im Aufbau. Die Teilnehmerzahl schwankte zunächst sehr stark, zum Ende des Jahres gehören zu diesen beiden Gruppen 8 Familien einer Stuttgarter Grundschule und 6 Familien der benachbarten Förderschule. Hier kommen teilweise Väter und Großeltern mit, die die Betreuung der Kinder zeitweise übernehmen, so dass in den ebenfalls parallel durchgeführten Gruppen insgesamt ca. 20 Erwachsene anwesend sind. Auch hier wurde die Anzahl der teilnehmenden Kinder je Gruppe auf 15 begrenzt.



Nationalität / Migrationshintergrund

 

Folgende Nationalitäten sind in den Gruppen vertreten:

 

Deutsch (ca. 20 %),Türkisch, Griechisch, Serbisch. Kroatisch. Bosnisch, Arabisch (Tunesien und Algerien),Irisch, Spanisch

 

Viele Familien gehören zwei verschiedenen Nationalitäten an.

 

Es gehören zur Gruppe 2a zwei Sinti-Familien.

 

Viele Eltern sprechen deutsch sehr mangelhaft.

 

Die Gruppenleiterinnen sprechen (außer deutsch):

Türkisch, jugoslawisch, griechisch, spanisch, englisch

 

 

Wirtschaftliche Situation der Familien

 

Die Mütter nennen folgende Berufe / Berufstätigkeit:

 

Sachbearbeiterin in einem Büro (einmal),Verkäuferin, Putzfrau, Kartenleserin,Hausfrau

 

Eine Familie hat einen Döner-Laden, mehrere Familien haben ein Familienmitglied mit einem Ein-Euro-Job, mehrere Väter sind langzeitarbeitslos und SGB II – Empfänger.

 

Ein Großteil der Familien muss mit einem geringen Einkommen auskommen, mehrere haben wirtschaftlich sehr große Probleme und sind nach Einschätzung der Mitarbeiterinnen verschuldet.

 


Bildungsniveau

 

Wenige Eltern gehören der Mittelschicht an (ca. 20 % nach Einschätzung der pädagogischen Mitarbeiterinnen), sie leben von der Erwerbsarbeit, können Lesen und Schreiben, haben einen angemessenen Kontakt zur Schule und begleiten ihre Kinder den Erfordernissen entsprechend. Sie können Vorbild in der Gruppe für die anderen Eltern sein.

 

Die Mehrzahl der teilnehmenden Familien ist als bildungsfern zu bezeichnen.

  • mangelhafte Deutschkenntnisse / teilweise trotz Schulbesuch in Deutschland
  • mangelhafte Lesefähigkeiten
  • Schwierigkeiten im Lesen und Verstehen z. B. einer Bedienungsanleitung für ein Spiel oder eines Kochrezeptes
  • mehrfache Erläuterungen, Hinweise mit Bildern und / oder in ihrer Sprache sind erforderlich

 

Im Projekt wurde bei allen teilnehmenden Müttern mit Migrationshintergrund eine Verbesserung der deutschen Sprache festgestellt.

 

Mehrere Mütter haben inzwischen den Wunsch zur eigenen Weiterbildung in Bezug auf die deutsche Sprache und in Bezug auf Lesenlernen.

 

Alle Eltern bekamen Einblick in die schulische Bildung ihres Kindes und sehen die Notwendigkeit der Unterstützung, teilweise wünschen die Eltern, dass ihre Kinder „mehr lernen als sie“, sie sind jedoch aufgrund der eigenen Problemlage nicht in der Lage sehr viel zu dieser Verbesserung beizutragen.

 

 

Gesundheit, Gewalterfahrung etc.

 

Mehrere Kinder und Mütter haben traumatische Erfahrungen (sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, Gewalt, Kriegserlebnisse)

 

In 5 Familien muss der Vater vor jedem Treffen von den Mitarbeiterinnen um Erlaubnis zur Teilnahme der Ehefrau und des Kindes gefragt werden.

(Zwei Mütter und ihre Kinder dürfen seit Oktober nicht mehr kommen, der Grund konnte weder von den Lehrern noch von den Mitarbeiterinnen ermittelt werden.)

 

Mehreren Familien konnte eine bessere Unterstützung der Gesundheit ihrer Kinder vermittelt werden. (Arztbesuch bei Krankheit – u.a. Warzen, derzeit Läuse, Hygiene, gesunde Ernährung, Bewusstsein der Gefahren von Nikotin, Alkohol-Missbrauch und Fernsehen als „Vorbild“ für Kinder)

 

 

Gruppensituation

 

Die Gruppen sind harmonisch und werden von vielen Müttern als „Oase der Ruhe“ empfunden. Sie erleben ihre Kinder und den Umgang mit ihnen stressfrei und lernen sich mit ihnen zu beschäftigen.

 

 

Umgang mit schwierigen Familiensituationen

 

Die Situation mancher Familie stellt hohe Anforderungen an die Mitarbeiterinnen.

Die Mitarbeiterinnen haben zu allen Müttern, zu fast allen Eltern eine persönliche Beziehung aufgebaut.

 

Bei vielen Anlässen müssen Probleme besprochen werden, die Eltern müssen zur Ruhe kommen, bevor ein Arbeiten in der Gruppe möglich ist. Existentielle Sorgen behindern sehr oft die eigentliche Gruppenarbeit. Es ist nicht einfach trotz dieser Problematik die Mutter-Kind-Gruppe gewinnbringend zu führen. Allerdings haben die Mütter inzwischen verstanden, dass der Abstand vom Alltag und die Entspannung in der Gruppe, das gemeinsame Tun mit anderen Eltern und den Kindern für sie und für die Kinder zumindest zeitweise zur Verbesserung der Situation führt.

 


Ehrenamtliches Engagement

 

Die Gruppenleiterinnen erbringen zahlreiche Stunden zusätzlich zu den vergüteten Stunden.

Die Klassenlehrerinnen arbeiten eng mit den Gruppenleiterinnen zusammen. Probleme werden gemeinsam angegangen. Die Kenntnisse ergänzen sich.

 

Vorstandsmitglieder von LERNEN FÖRDERN und von der Fördergemeinschaft der Grundschule unterstützen und begleiten die Gruppen. (An jedem Termin wenigstens eine Person ehrenamtlich ohne Aufwandsentschädigung.)

 

Eltern(vertreter) der Schulen sind mit ihren Kindern Teilnehmer der Gruppe und werden nicht als ehrenamtlich Tätige angesehen, obwohl die Eltern der Mittelschicht die Gruppenleiterinnen natürlich unterstützen, indem sie bei Spielangeboten andere Kinder einbeziehen und den Müttern bei vielen Arbeiten beistehen können.

 

Trotz intensiver Bemühungen ist seither nur eine Patenschaft entstanden.

Die Eltern der Mittelschicht haben inzwischen den Unterstützungsbedarf einzelner Familien akzeptiert, tatsächlich Hilfe zu leisten, sehen sie sich jedoch nicht in der Lage, da sie ihre Zeit als begrenzt ansehen und sich wohl auch nicht verantwortlich fühlen. Dennoch hat sich die Akzeptanz der Kinder und ihrer Eltern verbessert.

 

Aufgrund der in verschiedenen Beziehungen schwierigen Gruppenkonstellationen ist eine ehrenamtliche Leitung einer Gruppe von Personen ohne entsprechende pädagogische Qualifikation mit Sicherheit auch weiterhin nicht möglich.

 

 

Im Jahr 2005 konnten folgende Ziele dennoch erreicht werden:

  • Eltern erlebten Freude im Umgang mit ihren Kindern,
  • Eltern bekamen Kontakt mit anderen Eltern ihrer Schule und der benachbarten Schule
  • Eltern lernten auf andere Eltern zuzugehen,
  • Probleme zu thematisieren, Hilfe zu geben und Hilfe anzunehmen.
  • Eltern konnten ihre Gruppe als vertrauten Ort erleben, in dem sich alle verstanden und begleitet fühlen.
  • Eltern bekamen Einblick in die Erziehung und Bildung ihrer Kinder in ihrer Schule und bauten einen Kontakt zu den Lehrkräften ihrer Kinder auf.
  • Die Akzeptanz der bildungsfernen Familien verbesserte sich durch das Verständnis für individuelle Problemlagen, das aufgebaut werden konnte.

 

Nach der Einschätzung der Schulleitungen wurde der Kontakt zwischen Elternhaus und Schule seit Projektbeginn wesentlich verbessert. Die Situation der Kinder verbesserte sich durch den Aufbau erheblich.

Die Eltern der Grundschulkinder kommen gerne zur Mutter-Kind-Gruppe in die Förderschule. Auch dies ist ein wesentlicher Fortschritt und führt zur Akzeptanz der Förderschule insgesamt und erleichtert bei schwachen Kindern die Lernortklärung.

 

 

Schlussbemerkung

 

Bildungsferne Familien wurden zwar erreicht, die Einbeziehung in eine Gruppe ist jedoch weiterhin mit sehr viel Mühe verbunden. Die Anforderungen an die pädagogische Arbeit wurden bei der Konzeption des Projektes unterschätzt. Die Verbesserung der Erziehungspartnerschaft ist sehr mühsam in kleinen Schritten zu erreichen. Das Verständnis der Eltern untereinander hat sich verbessert, jedoch hat sich das ehrenamtliche Engagement (noch) nicht im vorgesehen Umfang entwickelt. Die Akzeptanz der bildungsfernen und sozialschwachen Eltern ist jedoch erreicht, deshalb ist es erforderlich, das Projekt in seitherigem Umfang weiterzuführen.

 

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